Mein Leiden öffentlich preiszugeben fällt mir nicht leicht. Man gibt schließlich ungerne seine Schwächen zu und erst recht wenn sie auch noch psychisch bedingt sein könnten oder wenn viele Menschen einen täglich begleiten. Nach meinen letzten Nächten, unendlich vielen Arztbesuchen und jeglichen Panikattacken, habe ich keinen anderen Weg mehr gesehen, als euch auf Instagram über mein Leiden zu berichten. In der Hoffnung, es gäbe da draußen Jemanden der mir helfen kann.

Dass es dann in der Tat so viele Menschen gibt, die ebenfalls unter Panikattacken, Atemnot und Angstzuständen leiden - das hätte ich im Leben nicht gedacht! Mich erreichten knapp über 1000 Nachrichten und ich komme auch heute nicht mehr hinterher alles zu lesen.

Momentan kann ich sagen, dass ich ziemlich glücklich bin. Ich habe ein tolles Leben, einen Beruf der mich erfüllt, einen Abschluss an der Uni, wundervolle Freunde und auch die große bedingungslose Liebe. Wieso also werden meine Zustände gerade jetzt, wo alles in Ordnung ist so extrem?

Viele von euch schrieben mir, dass es alles Kopfsache ist und rieten mir nach der Ursache zu suchen und das am besten in Begleitung eines Therapeuten oder Psychologen.
Ich dachte also an meine erste ‚Attacke‘ vor knapp vier Jahren zurück. Damals verstarb mein bester Freund an Krebs und es nahm mich körperlich wie auch seelisch mit. Und Tatsache, seither hatte ich enorme Schlafprobleme. Ich schaffte mir sogar meine erste Katze an, damit ich Nachts jemanden bei mir hatte. Es half eine Zeit lang, dann wurde es wieder schlimmer. Das ringen nach Luft und das Gefühl selbst im Liegen ohnmächtig zu werden gehörten zum Nachtprogramm.

Ich ließ mich vom Hausarzt untersuchen. Ich ließ mich vom Lungenarzt untersuchen. Ich wurde ins Krankenhaus eingeliefert, man diagnostizierte ‚Hyperventilation‘ und Stress. Ich konnte nicht mehr Reisen, nicht mehr Essen und entwickelte immer mehr Ängste. Ich probierte homöopathische Beruhigungstropfen, Baldrian und machte regelmäßige Atemübungen. Bei keiner der unzählig darauf folgenden Attacken bin ich wie ihr euch denken könnt gestorben. Aber Angst zu sterben hatte ich und habe ich auch heute noch, währen diesem Prozess. Ich habe das Gefühl nicht genug Luft zu bekommen, der Brustkorb schmerzt, mein Magen dreht sich und auch der Kopf glüht.

Für Außenstehende muss sich das ganze hier ziemlich verrückt anhören. Aber das einzige was es mittlerweile lindert, ist zu wissen und dann daran zu denken, dass ich daran anscheinend gar nicht sterben kann oder auch werde. Ich versuche an schöne Dinge zu denken, Hörbücher zu hören und mich einfach von den negativen Gedanken abzulenken.

Nachdem mich eure Nachrichten erreicht haben, merke ich heute, dass dieses Thema ernster zu nehmen ist als ich dachte und dass es sicher mal nur Stress sein kann - aber nicht wenn es einen jahrelang begleitet. Einige von euch sind seit Jahren in Behandlung und es ist nicht besser geworden. Andere haben sich auf die Schilddrüse untersuchen lassen und es wurde eine Über- oder Unterfunktion diagnostiziert. Die Anfälle sind der helfenden Tabletten wegen dann weggegangen. Manche von euch haben mir von Geistervertreibung erzählt die helfen soll und wiederum andere haben mir zu Medikamenten geraten. Die Pille abzusetzen wurde mir auch geraten, aber ich habe ein sehr niedrig dosiertes Verhütungsmittel und denke nicht dass es daher kommen könnte.

Das psychische spielt anscheinend eine Rolle bei mir. Trotzdem denke ich in der Lage zu sein, mich selber da raus zu holen, da es auch schon ruhigere Zeiten bei mir gab. Ich danke euch für das ganze Feedback und die Tipps, die ihr mir ans Herz gelegt habt. Da es mir zunehmend schlechter geht, ohne dass es in der letzten Zeit ein großes einschlagendes Ereignis gab, werde ich definitiv die Schilddrüse untersuchen lassen. Vielleicht ist es ja auch etwas körperliches und zusätzlich etwas psychisches von früher.

Ich würde euch gerne auf dem Laufenden halten und hoffe, dass ich auch eine Lösung für die Menschen finden kann, die akute Probleme damit haben.
Was soll ich noch sagen - unfassbar wie viele Menschen damit leben, es aber nie Jemand ausspricht. Ich bin so froh es mit euch geteilt zu haben, denn jetzt weiss ich zumindest, dass ich nicht verrückt bin (naja also bisschen ja schon :)) …

xoxo, Carmen aka. Carmushka